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Achtung!!! Hier beginnt der Bootleg-Sektor. Bitte nicht weiterlesen, denn es folgen ausschließlich Texte von Harald F. Petermichl, die mit Fußball und seinen Nebenwirkungen zu tun haben. Es sei denn, Sie bestehen darauf.


01 · Nach der WM ist immer irgendwie · 22.07.2014

Zumindest in Österreich ist sie endlich vorbei, die fußballlose Zeit. Denn abgesehen von einem internationalen Turnier in Südamerika, das von einem in Zürich ansässigen Verein ausgerichtet wurde und bei dem die Auswahl eines in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise 1 beheimateten Vereins einen Pokal gewonnen hat, über dessen gestalterische Qualität man länger reden müsste (immerhin ist ja der Kapitän besagter Auswahl offenbar deshalb im Affekt zurückgetreten, weil er diesen Pott ohne Vorwarnung überreicht bekam), sind diese fußballlosen Sommerwochen einfach nur lästig, überflüssig, mühsam, zermürbend und überhaupt irgendwie.

Erfreulich also, dass am Samstag im Schnabelholz nun endlich wieder Bundesliga-Fußball geboten wurde. Immerhin 6.187 Zuseherinnen und Zuseher hatten sich eingefunden, was unweigerlich zur Frage führt, wo um alles in der Welt sich denn die restlichen 159 Altacherinnen und Altacher (nach Angaben der Landesstelle für Statistik beim Amt der Vorarlberger Landesregierung immerhin 2,50552 % der Gesamtbevölkerungszahl von 6.346) herumgetrieben haben mögen. Verweigerung im großen Stil? Rätselhafte Gallenleiden? Verpasste Verkehrsmittel? Wir wissen es nicht, aber die Marketingabteilung des Vereins wird dem zweifellos nachgehen.

Die gekommen waren, erfuhren allerlei Wissens- und Merkenswertes, etwa dass ein von einem großen Vorarlberger Energiekonzern angebotener Sparduschkopf sich bereits nach einem knappen Jahr amortisiert haben werde und dass demnächst der Ballspielverein Borussia 09 zu einem Testspiel gegen Chievo Verona nach Altach kommen wird. Warum der sehr gute und souveräne Stadionsprecher bei der Nennung von dabei möglicherweise zu sehenden Weltmeistern zwar die Sportkameraden Durm, Hummels und Weidenfeller erwähnt, Kevin Großkreutz aber konsequent verschwiegen hat, obwohl der doch am Samstag Geburtstag hatte, weiß ich nicht. Aber Kamm drüber, ist ja auch nicht weiter schlimm.

Ach ja, Fußball wurde natürlich auch gespielt, ziemlich gut sogar, aber darüber haben die Fachleute der Sportredaktion ja längst zeitnah, ausführlich und kompetent berichtet und dabei dankenswerterweise auch die warnwestenartigen Auswärtstrikots des SK Sturm Graz erwähnt, die im Zusammenspiel mit dem in einem frischen Mitteltürkis agierenden Schiedsrichtergespann erstaunliche Farbtupfer auf das satte Grün und zwischen die weißen Altacher zauberten. Alles in allem war das also ein in vielerlei Hinsicht erfreulicher Samstag im Schnabelholz. Möge es so weitergehen.


02 · Regenschlachten? Nur mit Müllers! · 29.07.2014

Das für letzten Samstag angesetzte Heimspiel des SCR Altach gegen den FC Admira Wacker Mödling aus Maria Enzersdorf konnte nun ja, wie sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte, leider nicht stattfinden. Schade, das ist schon klar, aber wer weiß, vielleicht kann durch diesen Umstand ein bisher unentdeckt gebliebenes Versäumnis bei der Kaderplanung doch noch korrigiert werden. Zur Erklärung ist allerdings ein kurzer Exkurs in die Historie des runden Leders, insbesondere in die der so genannten Regenschlachten unabdingbar.

3. Juli 1974: Eine Auswahl des Deutschen Fußballbundes hat im Frankfurter Waldstadion gegen das Team der Volksrepublik Polen ein Spiel um den Einzug ins Finale der Weltmeisterschaft zu bestreiten. Übrigens nicht, auch wenn das gerne mal behauptet wird, das Halbfinale, sondern vielmehr das letzte und entscheidende Match der damals üblichen Zwischenrunde (ja, ich weiß, die hat es auch 1978 in Argentinien noch gegeben...). Da das Turnier unter ziemlichem Zeitdruck steht, pfeift der oberösterreichische Referee Erich Linemayr das Spiel mit halbstündiger Verspätung an, obwohl der Platz wegen Dauerregens eigentlich unbespielbar ist, und Deutschland gewinnt durch ein Tor des Spielers mit der Rückennummer 13 (Müller Gerhard aus Nördlingen im heutigen Landkreis Donau-Ries) in der 76. Minute mit eins zu null.

Ziemlich genau 40 Jahre später dann die nächste WM-Regenschlacht. Diesmal in Recife. Wieder ist die DFB-Auswahl beteiligt und gewinnt gegen das USA –Team durch ein Tor des Spielers mit der Rückennummer 13 (Müller Thomas aus Pähl im oberbayerischen Landkreis Weilheim) in der 55. Minute ebenfalls mit eins zu null. Statistisch gesehen fallen bei derart regenbeeinträchtigten Spielen also nur Tore, wenn irgendein Herr Müller mitspielt und die Nummer 13 trägt.

Daher also der gut gemeinte Rat an die Verantwortlichen des SCR Altach: Sichern Sie sich unbedingt und unverzüglich die Dienste irgendeines fußballerisch zumindest einigermaßen begabten Herrn Müller und verpassen Sie ihm die Rückennummer 13. Ob der junge Mann jetzt mit Vornamen Kilian, Marbod, Kevin oder Jason-Pilate heißt, ist nicht weiter entscheidend, wichtig ist einfach nur der Nachname Müller. So sind sie künftig auch bei Wolkenbrüchen und damit verbundenen Regenschlachten (so ein Match kann vom Schiedsrichter ja durchaus auch mal angepfiffen werden) auf der sicheren Seite. Natürlich sollte der junge Mann dann vor der 55. Minute eingewechselt werden, aber das versteht sich ja von selbst.


03 · Kann man so oder so sehen · 05.08.2014

„Altach nur torlos gegen Austria“ titelte am vergangenen Wochenende ein großes Vorarlberger Online-Nachrichtenportal, um diese klare Aussage in der Überschrift des zugehörigen Artikels mit einem nicht minder glasklaren „Austria auch gegen Altach nur 0:0“ zu untermauern. Dass in den zugehörigen Kommentaren ein hier nicht näher genannter Poster das Ganze mit dem Satz „Was heisst hier bravo, ein mageres 0:0 gegen eine miserable wiener austria! So toll wie sich die altacher fans immer alles schönreden“ (alle Fehler im Eigentum des Verfassers) ergänzt und sich dabei neben 55 negativen respektable acht positive Bewertungen abholt (Stand 3. August, 19:51 MESZ), ergibt ein frappierend rundes Bild.

Das scheint also irgendwie mit dem berühmten halbvollen und halbleeren Glas zu tun zu haben und Ansichtssache zu sein, daher will ich mich hier auch gar nicht weiter in diese Debatte einmischen, sondern es einfach bei der (aus meiner Sicht) erfreulichen Tatsache belassen, dass ohne ein einziges Gegentor bisher vier Punkte aus zwei Spielen (umgekehrt wär’s schlimmer) geholt werden konnten. Dabei hatte ich als erfahrener Asterix-Leser tatsächlich kein so besonders gutes Gefühl, als ich erfahren musste, dass ein Auswärtsspiel im Wiener Horror-Stadion, oder wie das heißt, ansteht. Wusste ich doch als versierter Asterix-Leser, dass selbst die sonst unbesiegbaren Gallier so ihre Probleme kriegen, wenn man ihnen in der Fremde die gewohnte heimische Kost einschließlich aller kraftfördernden Mittel verwehrt, nachzulesen im Band 12, „Asterix bei den Olympischen Spielen“.

Wie also bestehen auf dieser Reise in den fernen Osten, in den Fängen übel beleumundeter Gastronomen am Laaer Berg, darbend ohne Käsknöpfle und Riebel und vor allem natürlich ohne den berühmten Senf aus der größten Marktgemeinde Österreichs? Ein drohendes ökotrophologisches Fiasko zeichnete sich für mich, auf einem Flughafen (na ja, Flugplatz tut’s auch) im fernen Allgäu sitzend und auf einen schnöden Liveticker starrend, immer deutlicher ab. Später aber, als das Kabinenpersonal einer Billigfluglinie bei der obligatorischen Sicherheitseinweisung davon sprach, dass bei irgendwelchen Druckabfällen Sauerkrautmasken von oben herabkämen und Rettung brächten, da, erst da dachte ich, dass ernährungstechnisch vielleicht doch noch alles gut werden könnte Und so kam es dann auch: 0:0 bei der Wiener Austria, auch wenn man das offensichtlich so oder so sehen kann. Wie übrigens auch den vorhin erwähnten Senf, aber da sag ich jetzt nichts dazu.


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